Im BT Artikel «Die Bieler Stadtrats-Bilanz 2025: Wer liefert, wer fehlt, wer überzeugt?» vom 09.01.20261 wird versucht, die Bieler Politik auf einfache Statistiken zu reduzieren. Dabei werden mehrere Parlamentarierinnen als «Schwänzerinnen» blossgestellt, weil sei mehrmals fehlten. Doch es kann viele Gründe geben, warum man Sitzungen verpasst. Dazu gehören beispielsweise Mutterschaftsurlaub und physische sowie psychische Erkrankungen. Eine abwertende Zurschaustellung, wie der Artikel sie vornimmt, ist grundsätzlich nicht angebracht und kontraproduktiv zu einer inklusiven Demokratie.
Ganz grundsätzlich müssen wir uns bewusst sein, dass es sich bei Politik weder um Spitzensport noch um Reality TV handelt. Der Artikel, der dies so darstellt, reduziert zu stark und misst mit falschen Ellen: ein Grossteil der Arbeit kann nicht in Statistiken abgebildet werden, da beispielsweise die aufgewendete Zeit nirgends aufgeschrieben wird und sich Qualität und Wirkung der Vorstösse nicht auf Abschreibungen bzw. Erfüllungen reduzieren lassen.
Hand in Hand mit solchen übertriebenen Vereinfachungen gehen auch willkürliche Wertungen: heute wird beispielsweise die Fraktion Zukunft Biel/Mitte als besonders tüchtig hervorgehoben, da sie viele Vorstösse eingereicht hat. Doch in einem BT Artikel vom 31.10.2024 (als SP und Grüne besonders viel eingereicht haben) wurde impliziert, zu viele Vorstösse führen zu übermässigen Kosten.
Die wichtigen Fragen sind doch: Wer hat das Leben der Bieler*innen verbessert? Wer hat dazu beigetragen, dass sich Menschen in Biel wohl und sicher fühlen? Wer hat dafür geschaut, dass Biel für alle zugänglich wird und bleibt?
Schliesslich hat Biel eine Politik verdient, in der Inhalte und nicht Clickbait-Schlagzeilen zählen, alles andere schadet der Demokratie!
Nina Schlup, Bieler Stadträtin JUSO JS Bielingue
1https://ajour.ch/de/story/646701/die-bieler-stadtratsbilanz-2025-wer-liefert-wer-fehlt-wer-überzeugt?