Gemeinsam und solidarisch einstehen: Gegen den Kapitalismus, den Faschismus, das Patriarchat und alle Formen der Unterdrückung!
Am 1. Mai 2026, Kampftag der Arbeiter*innen, hielten Nina Schlup und Vincent Frei gemeinsam eine Rede in Biel, in Anwesenheit von SP-Bundesrat Beat Jans.
Herr Jans, ich bin nicht mit Ihnen einverstanden! Wo bleibt die Menschlichkeit? Das Recht der Bewegungsfreiheit ist ein Menschenrecht, auch wenn es keine wirtschaftlichen Vorteile für die Schweiz gibt!
Heutzutage in die Welt zu schauen, macht keinen Mut. Und dennoch ist es wichtig. Denn in allen Regionen der Welt bringen Krieg und Krisen Elend mit sich und lassen einige wenige noch reicher werden. Schauen wir beispielsweise nach Rojava.
Vor zehn Jahren profitierte Europa von lokalen Widerstandsbewegungen und kämpften gemeinsam gegen Terorrimus. Jetzt, wo unsere eigenen Interessen erfüllt sind, lassen wir sie im Stich.
Während die Selbstverwaltung Rojava seit Anfang dieses Jahres massiv angegriffen wird von der sogenannten syrischen Übergangsregierung, wird der Kopf dieser Regierung, Al-Shara (Jolani) nach Europa eingeladen, um Öl-Deals zu schliessen und so die hiesigen Kapitalinteressen über Syrien zu schützen.
Wo bleibt die Schweizer Unterstützung für feministische Projekte wie Rojava eines ist?
Wo bleibt die Menschlichkeit? Ab heute können syrische Staatsangehörige wieder nach Syrien abgeschoben werden.
Wo bleibt die Hilfe der humanitären Schweiz?
Aber Menschlichkeit fehlt nicht nur in Rojava.
Auch wenn letzten Herbst ein Waffenstillstand deklariert wurde, wird der Genozid an den Palästinenser*innen weitergeführt. Seit dem 10. Oktober 2025, als der Waffenstillstand eingeführt wurde, wurden mindesetens 738 Personen in Palästina ermordet, laut dem palästinensischen Gesundheitsministerium.
Und was macht die Schweiz?
Die Schweiz eifert den faschistisch geführten USA hinterher, welche Israel brauchen, um ihre imperialistischen Fantasien auf der arabischen Halbinsel zu verwirklichen. Schweizer Banken, beispielsweise die UBS, investieren massiv in Elbit Systems, Hauptlieferant für Waffen und Munition in Israel.
Wir finden weiterhin nur: "Es ist kompliziert", keine Sanktionen. Antisemitismus wird weiterhin benutzt als Ausrede für Tatenlosigkeit. Der Kampf gegen Antisemitismus ist extrem wichtig. Er darf nicht instrumentalisiert werden, um den Kampf für Menschlichkeit auszubremsen. Die zionistische, menschenverachtende Regierung Israels muss getrennt werden von der jüdischen Weltbevölkerung. Die israelische Regierung und ihre Unterstützer*innen sind verantwortlich für den Genozid, welcher in Palästina nach wie vor andauert.
Aber die humanitären Krisen in Rojava und in Palästina sind nicht die einzigen: Im Sudan wurden 10 bis 14 Millionen Menschen vertrieben seit Anfang des Krieges. Die WHO bezeichnet sie Situation als die grösste humanitäre Krise der Welt.
Während Europa Verträge mit Ruanda macht, ignorieren wir, das dies zur Plünderung von Goldminen und Zivilgesellschaft in der DR Congo führt und den dortigen Bürgerkrieg weiter anheizt.
In Venezuela, das seit Jahren in einer tiefen Wirtschaftskrise steckt, wurde Maduro illegal von der US-Regierung festenommen, unter Verletzung des Völkerrechts.
In West-Sahara führen die Nachwirkungen des europäischen Imperialismus und Kapitalinteressen an Rohstoffreichen Gebieten zu verhärteten Fronten im Konflikt um die Kontrolle über die Region unter welchen Einheimische stark leiden.
In Kuba führt das US-amerikanische Öl-Embargo zu einem Energienotstand, unter dem allem voran die Bevölkerung leidet.
Im Libanon wurden aufgrund von massive Angriffe durch die israelische Regierung, seit März 2026 mehr als 800 Kinder verletzt oder getötet worden, mehr als eine Million Menschen, darunter 390’000 Kinder, mussten fliehen
Europa und der Westen haben kein Interesse, diese Krisen zu lösen. Wenn sich westliche Länder in diese Krisen einmischen, geht es nicht darum, für Menschlichkeit einzustehen, sondern es ist ein ums andere Mal klar zu sehen, wie Kapitalinteressen im Vordergrund stehen.
Das gilt auch für die Schweiz.
Deshalb braucht es internationale Solidarität von Arbeiter*innen.
Der Schweizer Staat stellt die Interessen der Schweizer Wirtschaft über die der eigenen Bevölkerung und von Menschen weltweit. Und diese Schweizer Wirtschaft profitiert von Krieg und hat kein Interesse am Ende von Kriegen, da sie massgeblich von Rüstungsfirmen getragen wird. Während die Rüstungslobby die schweizer Politik massgeblich beeinflusst, wird der Service Public in der Schweiz kaputtgespart, und für Firmen und Superreiche gibt es immer wieder Steuergeschenke.
Während Arbeiter*innen in der Schweiz von Chef*innen ausgebeutet werden, beuten Schweizer Unternehmen Menschen in anderen Regionen dieser Welt auf. Davon profitieren am Ende nur Superreiche.
Deshalb braucht es internationale Solidarität von Arbeiter*innen.
Deshalb darf unser Kampf um ein besseres Leben für alle Menschen auf dieser Welt nicht in Biel enden. Wir dürfen nicht vergessen, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Rechte, die Arbeiter*innen heute geniessen, uns nicht aus aus Gutmütigkeit geschenkt wurden: Dinge wie die 5-Tage-Woche, der 8-Stunden-Tag, eine Unfallversicherung oder Altersvorsorge wurden über Jahre hart erkämpft.
Genauso wie das Kapital weltweit vernetzt ist, ist es auch die Unterdrückung. Wir müssen deshalb international dafür kämpfen, dass Menschlichkeit über Profit steht.
Unser Handeln hat eine direkte Auswirkung: So konnten Hafenstreiks in Italien unter dem Motto “Blocchiamo Tutto” Waffenexporte verhindern. Bei den Dazugehörigen Demonstrationen schlossen sich Hafenarbeitende mit streikenden Schüler*innen zusammen und blockierten für mehrere Tage das Schiff- und Zugnetz in Italien.
Und wer jetzt gerade konkrete Handlungsmöglichkeiten sucht: Aktuell ist eine neue Global Sumud Flotilla mit mehr als 70 Booten und über 1000 Aktivist*innen auf dem Weg nach Gaza, um die illegale Seeblockade zu durchbrechen, Hilfsgüter wie Nahrung und medizinische Versorgungsmittel zu liefern und Aufmerksamkeit auf die Thematik zu lenken.
Aber gestern wurde die Flotilla illegal von israelischen Streitkräften abgefangen, auf internationalen Gewässern vor Kreta. Das verstösst gegen das Völkerrecht und muss vom Bundesrat klar verurteilt werden! Zeigen wir unsere Solidarität mit ihnen! Auch Sie, Herr Jans!
Wir dürfen nicht so tun, als gingen uns die Probleme der Menschen anderswo nichts an! Denn Kriege und die Schweizer Sparpolitik haben einen gemeinsamen Verursacher: Der Kapitalismus.
Lasst uns gemeinsam und solidarisch einstehen: Gegen den Kapitalismus, gegen den Faschismus, gegen das Patriarchat und gegen alle Formen der Unterdrückung!